Dr Niklas Fischer [n]
Ich übersetze literarische Texte aus dem Englischen ins Deutsche. Mein Werdegang [w] zum Übersetzen nahm seinen Anfang im Berner Oberland und hat mich nach einem längeren Zwischenhalt in Sydney nach Basel geführt. Als letztes ist meine Übersetzung (zusammen mit Anke Burger) des Essaysbands Ein einziger brillanter Satz. Warum ich schreibe der zeitgenössischen amerikanischen Autorin Claire Messud erschienen [e] . Im Blog [b] werde ich zukünftig Einblicke in meine übersetzerische Arbeit geben.
Aktuelles:
Vernissage: Unter der Haut von Rebecca Watson (verlag die brostuppe). Am 22. Oktober 2026 in der Buchhandlung Ganzoni in Basel. Beginn um 19:30. Moderation: Laura Leupi.
Meine Liebe für die englische Sprache hat bescheidene Wurzeln. Als Harry-Potter-Fan der ersten Stunde – in einer Zeit, in der die deutschen Übersetzungen solcher Romane nicht zeitgleich mit dem Original erschienen –, musste ich noch die Qual ausstehen, monatelang auf den heißbegehrten nächsten Band zu warten.
Damals lebte ich in Meiringen, einem Dörfchen im östlichsten Zipfel des Kantons Bern, und ging jeden Tag nach Schulschluss in die örtliche Buchhandlung, um nachzusehen, ob der neue Band, der zwar erst Wochen später auf Deutsch rauskommen sollte, aufgrund einer unerforschlichen Fügung nicht doch bereits eingetroffen war. Wenn mir dann in zunehmend schroffem Ton gesagt wurde, dass sich am Erscheinungsdatum immer noch nichts geändert habe, trödelte ich missmutig im Geschäft herum. Eines Tages stieß ich im Untergeschoss, in dem winzigen Regal mit den englischsprachigen Büchern, auf einen Harry-Potter-Band, dessen Titelillustration mir vollkommen fremd war und die ich keiner der mir bestens bekannten Szenen zuordnen konnte. Auf meine Frage, um welchen Band es sich dabei handle, erhielt ich die unglaubliche Antwort: den Neuen. Also der, der angeblich noch nicht erschienen sei, so meine entgeisterte Rückfrage. Mensch, halt nicht auf Deutsch, so die gute und genervte Frau, das sei das Original.
Es versteht sich von selbst, dass ich den Band sofort mitnahm. Der Buchhändlerin war klar, dass ich noch keinen Englischunterricht erhalten hatte, was sie vor dem Eintippen erwähnte. Doch ihre Proteste fielen auf taube Ohren, und nachdem ich am selben Tag vor Ladenschluss nochmals in die Buchhandlung zurückkehrte, um mir ein englisches Wörterbuch zu kaufen, begann meine allererste englische Lektüre.
So der Ursprung meiner Faszination für die englische Sprache, die mich nach einem Anglistikstudium an der Universität Fribourg und nach kürzeren Aufenthalten in Schottland und den USA nach Sydney führte, wo ich sechs Jahre beheimatet war und an der University of Sydney zu E.M. Forster promovierte.
Seit meiner Rückkehr in die Schweiz im Sommer 2018 war ich als Lehrbeauftragter und Fachübersetzer tätig, bevor ich im Frühling 2023 zum ersten Mal an einer literarischen Übersetzung versuchen durfte, einer Auswahl der Essays von E.M. Forster. Seither übersetze ich mit derselben Freude und Leidenschaft, mit der ich mich vor langer Zeit durch meine erste englische Lektüre gearbeitet habe und die mir – so hoffe ich – nie abhandenkommen wird.
In intimen, scharfsinnigen und mitunter komischen Essays öffnet Claire Messud uns ein Fenster zu ihrem Leben und Schreiben. Sie erzählt vom rastlosen Aufwachsen zwischen zahlreichen Umzügen, von ihrer komplizierten wie warmherzigen Familie und von einer Reise nach Beirut, während ihr Vater im Sterben liegt. Kunstvoll verflicht sie Leben und ihre Liebe zu Literatur und Kunst, betrachtet zeitgenössische Klassiker von Kazuo Ishiguro, Rachel Cusk und Albert Camus. Mit glänzender Raffinesse erkundet sie ihren eigenen Antrieb zum Schreiben, feiert die verbindende Sprache der Literatur und die transformative Kraft eines einzigen brillanten Satzes.
Rickie Elliot, ein sensibler und intelligenter junger Mann mit einer ausgeprägten Fantasie und literarischen Begabung, verlässt die Universität Cambridge mit dem festen Wunsch, Schriftsteller zu werden. Doch der Erfolg seiner Geschichten bleibt aus, und so beschließt er, zu heiraten, seine schriftstellerische Tätigkeit aufzugeben und Lehrer an einer mittelmäßigen öffentlichen Schule zu werden. Rickie lässt all seine Hoffnungen und Träume ziehen und versinkt in einer Welt der kleinlichen Konformität.
Die ausgewählten Texte aus den Bänden Abinger Harvest (1936) und Two Cheers for Democracy (1951), die zum ersten Mal auf Deutsch erscheinen, sind eindringliche Plädoyers für Demokratie und Menschlichkeit. Forster schreibt mit einer bewundernswerten Sanftheit und im felsenfesten Glauben an die Bedeutung persönlicher Beziehungen über das Ideal der Verbundenheit untereinander. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen Antisemitismus und Rassismus gesellschaftliche Diskurse, nicht zuletzt zwei Weltkriege. In Forsters Augen ist die Kunst das einzige menschliche Produkt mit einer immanenten inneren Ordnung, das Halt in den Wirren der Zivilisation bieten kann. Forster plädiert für die Zuwendung zu den Künsten gerade in Zeiten von Kriegen und nationalistischen Tendenzen und haben daher kaum an Aktualität verloren.